Die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) wurde 1965 gegründet, mit dem Ziel, den Wanderfalken in Baden-Württemberg vor dem Aussterben zu bewahren. Gleichzeitig sollten aber auch die Grundlagen für den Wiederaufbau einer stabilen Population erarbeitet werden.

Es gab zu dieser Zeit nur noch Restbestände einer einstmals großen Population. Viele geeignete Felsen waren wanderfalkenleer und nur noch an wenigen Felsen wurde sporadisch gebrütet oder hielten sich überhaupt Wanderfalken auf. Das Schicksal des Wanderfalken schien besiegelt! Rückgangsfaktoren gab es mehrere. Besonders starke Auswirkungen hatten Aushorstung, Pestizide, Taubenzüchter und Klettersport, um nur einige zu nennen. Auch Forstarbeiten und Waldwegebau konnten das Brutgeschäft negativ beeinflussen. Als natürliche Gegenspieler traten Uhu, Steinmarder und Zecken in Erscheinung.
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Besonders gravierend waren die Aushorstungen. Es war bekannt, dass immer noch WF-Junge mit viel krimineller Energie für die Falknerei ausgehorstet wurden. Deshalb hatten wir unser Hauptaugenmerk zunächst verstärkt auf diese Ursache gerichtet. Die noch beflogenen Felsen wurden laufend kontrolliert und in ein Bewachungsprogramm rund um die Uhr einbezogen. Ein harter Job für die, die sich freiwillig zur Verfügung stellten. Behördliche Kletter- und Begehungsverbote während der Brutzeit waren wichtige flankierende Maßnahmen. So konnte zumindest die noch bestehende kleine Restpopulation als Reserve für den Wiederaufbau eines tragfähigen Bestandes gehalten werden. Neuerdings nimmt aber dieses Gefährdungspotential wieder zu. So wurden in den vergangenen Jahren Aushorstungsteams aus den ehemaligen Ostblockländern im Donautal und in Bayern aktiv.

Durch Untersuchungen an verschiedenen Instituten von nicht zu Ende bebrüteten Eiern, konnten wir die Einwirkung von Pestiziden auf die Wanderfalkenpopulation nachweisen. Der Druck auf die politischen Instanzen - auch durch andere Naturschutzorganisationen - zeigte Wirkung. Endlich wurde 1972 zumindest das DDT in Deutschland verboten. Heute sind es besonders die PCB `s, die immer noch eine große Rolle spielen.

 

 

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1975 erließ die baden-württembergische Landesregierung ein Greifvogelschutzgesetz, das die Haltung von Greifvögeln regelte. Bei der Registrierung der gehaltenen Bestände stellte sich heraus, dass weit mehr Wanderfalken in Gefangenschaft lebten als in freier Natur noch vorkamen.

Besonders erfolgreich verlief auch unser Programm der Brutplatzoptimierung. Viele Brutplätze, besonders in den Hochlagen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb, waren extremen Witterungsbedingungen schutzlos ausgesetzt. Durch Sanierungsmaßnahmen und auch Neuanlage von schnee- und regengeschützten Horstnischen konnte eine bedeutende Steigerung des Bruterfolges erzielt werden.

Taubenzüchter spielten in Vergangenheit und Gegenwart eine ziemlich unrühmliche Rolle. Auch heutzutage werden wieder ganze Wanderfalkenfamilien durch Einsatz von Gift und Angelhaken brutal umgebracht.

Das 1992 in Kraft getretene Biotopschutzgesetz in Baden-Württemberg sorgte umfassend für den Schutz des Lebensraumes Fels mit all seinen Lebensformen. Neben vielen anderen Biotopen sind im § 24a des Naturschutzgesetzes Felsen zu besonders geschützten Biotopen erklärt worden. Obwohl man den Kletterern weitgehend entgegenkam, kam es zum offenen Konflikt mit deren Verbänden. Gerade die großen Felswände lagen im Widerstreit der Interessen, oftmals bis zur Entscheidung durch einen Petitionsausschuss. Und immer wieder wurden Zugeständnisse zu Lasten der Natur auf der politischen Schiene durchgesetzt. Wir appellieren an die Kletterverbände, die bestehenden Gesetze und Verordnungen in der heutigen Fassung endlich zu akzeptieren und nicht mehr in Frage zu stellen. Schlimm genug, wenn Kletterverbote durch uneinsichtige Kletterer immer wieder missachtet werden. Nachdenken über den Umgang mit der Natur ist der beste Weg zur Konfliktlösung.

 

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Die AGW versteht sich als Partner und Anwalt der gesamten felsbewohnenden Fauna und Flora.

Diese kann sich nämlich nicht an den Verhandlungstisch setzen, wenn über ihren angestammten Lebensraum, ihr Schicksal und ihre Zukunft, Entscheidungen gefällt werden. Wir bemühen uns den gesamten Lebensraum unserer Felslandschaften in seiner Vielgestaltigkeit zu erhalten und zu schützen. Wenn auch Wanderfalke, Kolkrabe, Uhu, Dohle und Berglaubsänger wichtige Leitarten sind, so dürfen in den Schutzbemühungen alle anderen Tier- und Pflanzenarten nicht unberücksichtigt bleiben.

Wenn Sie der Meinung sind, hier muss was geschehen und Sie aktiv werden wollen, so sind Sie bei uns genau richtig und willkommen.
Wir suchen alljährlich von Anfang März bis Mitte Juni Horstbetreuer in allen Landesteilen. Besonders interessiert sind wir an Dauermitarbeiter für Kontrollen, Horstsanierung und anderen speziellen Tätigkeiten in den verschiedenen Regionen.
Also, melden Sie sich oder hinterlassen Sie uns eine Nachricht.

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